Mittwoch, 12. Juni 2024

~*~ Black Out Fight Club, Samstag Nacht, eine Stunde vor Mitternacht ~*~

 Eins.

Zwei.

Drei.

Die hastigen, wenig gedämpften Stiefeltritte bohrten sich durch die feucht-stickige, warme Luft der Umkleidekabine, viel zu laut und offensichtlich für einen Überraschungangriff. Geheimhaltung schien an diesem Abend nicht auf dem Plan zu stehen, und das überraschte Leonid. Zumindest nur drei Eindringlinge bisher, aber das wäre zuviel des Glücks gewesen.

Vier.

Fünf.

Die durchweichte Designerkleidung klebte unangenehm und schwer an Leonid's klammer Haut, hier und da tropfend wo der dichte Stoff sich so mit kaltem Duschwasser vollgesogen hatte, dass selbst die Schwerkraft ihre liebe Mühe mit den Aufräumarbeiten hatte. Nicht, dass es den stürmenden Männern aufgefallen wäre - keiner von ihnen schenkte den Lüftungskanälen an der Decke auch nur die geringste Aufmerksamkeit. Oh nein, die gehörte voll und ganz dem Werwolf am Ende der Spindreihen.

Idioten.

Vielleicht war Leonid auch zu hart zu ihnen. Sie rochen nach Mensch, alle fünf, wenn auch nach gut bewaffnetem Mensch. Vermutlich wussten sie auch, dass Rune, der Werwolf in dieser Situation, übernatürliche Kräfte hatte. Immerhin befanden sie sich in einem der drei wenigen illegalen Fightclubs, in denen Übernatürliche wetten und gegeneinander antreten konnten, gemeinsam mit Menschen. Hatte etwas von Pitbulls und Ratten im selben Ring, aber scheinbar fanden viele Zuschauer es amüsant, ihresgleichen sterben zu sehen? Und ehrlich, wer war Leonid schon, darüber zu urteilen? Von Homizid brauchte er gar nicht zu reden, der alltägliche Fratizid war da vermutlich schon deutlich schwerwiegender.

Die fünf Kerle schwärmten aus und durchkämmten die Spindreihen, als wüssten sie nicht bereits genau, wo sie ihr Opfer finden würden. Leonid folgte zweien von ihnen aus seinem Versteck in der Decke zwischen den Lüftungsschächten mit Augen, bis sie um die nächste Ecke verschwanden. Irgendwo weiter hinten erklang ein rauhes, wölfisches Knurren, dann ein Krachen und eilige Schritte, als die ersten Angreifer Bekanntschaft mit einem missgestimmten Werwolf machten. 

Und da, da war dann auch das verräterische Geräusch von Angreifer Nummero sechs. Das Klick-Klacken eines Magazins in einer mittelgroßen Handfeuerwaffe. Das trocken-metallische Reiben eines Silencers, der aufgeschraubt wurde. Das glatt-scharfe Knirschen eines deutlich teureren Anzugschuhs auf dem warmen Fliesenboden, und dann war da noch das plätschernde Rascheln teuren Anzugstoffs, der vermutlich wie Wasser über die Haut floss und sich wie Engelswölkchen anfühlte. Geld für schöne Dinge, vermutlich verdient mit unschönen Dingen, die einen Silencer benötigten. Die anderen Fünf mochten einfache Schläger sein, aber Nummer sechs.. Nummer sechs war der tatsächliche Auftragsmörder. Und er wartete beim Hintereingang seelenruhig darauf, dass seine Menschenmeute ihm die Beute direkt in den Lauf der Waffe trieb. 

Leonid grinste fahl. 

Cleverer kleiner Mensch.

Es war nicht einfach, die Lüftungsschächte entlang zu kriechen, aber glücklicherweise wog Leonid weniger als der durchschnittliche Kämpfer, Schläger, Meuchelmörder oder sogar Mensch der gleichen Größe. Und ebenso glücklicherweise waren die aufwallenden Kampfgeräusche im Hintergrund laut genug, um das Schaben und Klonken von Leonid's Nietengürtel soweit zu überdecken, dass der Mann unter ihm ihn nicht bemerkte. Oder naja, erst im letzten Moment bemerkte, und mit weiten Augen zu ihm aufblickte.

Die Sig Sauer mit dem Silencer hob sich gerade noch, aber nicht schnell genug um Leonid's Angriff abzuwehren, als dieser sich Füße voran zwischen Gittern und Metallrohren hervor schwang und dem Kerl einfach gegen die Brust sprang. Schwerkraft siegte eben in den meisten Duellen. Und Rippen verloren die meisten Duelle gegen plötzlich aufprallende Gewichte. 

Das Brechen der Knochen und die erstickten, panischen Japslaute des Mannes gingen ebenso in den Kampf- und Fluchtlauten aus dem Raum hinter ihnen unter, wie Leonids gezischelte, vergnügte Worte zu dem Sterbenden. "Es wäre so ein guter Plan gewesen, ein Jammer," raunte er diesem zu, drückte sich von seiner zertrümmerten Brust und kickte die Schusswaffe mit dem Silencer unter die nächstbeste Spindreihe. Der Kerl würde sie sicher nicht mehr aufheben, aber für den Fall dass doch noch eine weitere Person nahe war, würde es zumindest Zeit kosten, nach der Waffe zu fummeln.

Indes flogen eine Reihe von zertrümmerten Spinden gegen die Wand nicht unweit von Leonids Opfer, gefolgt von einem Schrei und einer leblosen Person. Offensichtlich hatte auch Rune beschlossen, dass es Zeit war, nicht nur zu flüchten, sondern während der Flucht auch Eindruck zu schinden. 

Zeit zu gehen, befand Leonid und schob sich leise und flink zur Hintertür hinaus. Und prompt in den Lauf einer weiteren Pistole hinein, die auf die Hintertür gerichtet gewesen war.

"Was zum Teufel bist du denn für ein Würstchen?!"

Noch mehr Menschen. Leonid's Grinsen kehrte zurück. Heute musste sein Glückstag sein.



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